Ökumenisches Heiligenlexikon

Matthias Claudius

1 Gedenktag evangelisch: 21. Januar

Name bedeutet: Gottes Geschenk (griech. - hebr.)

Dichter
* am 15. August 1740 in Reinfeld bei Lübeck in Schleswig-Holstein
21. Januar 1815 in Hamburg


Pfarrhaus in Reinfeld, in dem Matthias Claudius geboren wurde
Pfarrhaus in Reinfeld, in dem Matthias Claudius geboren wurde

Der Pfarrersohn Matthias Claudius studierte an der Universität in Jena zunächst Theologie, dann Jura und Kameralwissenschaften. 1762 kehrte er ins Elternhaus nach Reinfeld zurück, 1764 wurde er Sekretär beim Grafen von Holstein in Kopenhagen, ging aber bald als Redakteur nach Hamburg. Hier lernte er Johann Gottfried Herder, Friedrich Gottlieb Klopstock und Gotthold Ephraim Lessing kennen und erhielt 1771 den Auftrag, die kurz zuvor gegründete Zeitschrift Wandsbecker Bote, herauszugeben.

Matthias Claudius siedelte um an die Ecke Lübecker Str. / Litowstr. nach Wandsbeck - dem heutigen Stadtteil Wandsbek von Hamburg - und heiratete dort die Tochter des örtlichen Zimmermanns, Rebecka Behn, die ihm eine wichtige Stütze und Mutter von zwölf Kindern - von denen drei jung starben - wurde.

Im Wandsbecker Boten kommentierte Claudius die aktuellen Ereignisse und veröffentlichte feuilletonistische Beiträge namhafter Autoren. Seine Erzählungen und Betrachtungen, vor allem aber seine gemütstiefe Lyrik mit einem bis dahin unbekannten heiter-frommen Ton und ehrfürchtiger Herzensfrömmigkeit, fanden weite Beachtung - er benützte das Pseudonym Asmus zur Veröffentlichung. 1775 musste die Zeitschrift wegen geringer Abonnentenzahl eingestellt werden. 1775 erhielt er auf Vermittlung von Johann Gottfried Herder eine Anstellung als Sekretär des Landgrafen im Schloss in Darmstadt, wo er sich aber mit den bürokratischen Aufgaben nicht wohl fühlte; so wurde ihm die Aufgabe eines Kommissars zur Reform des allgemeinen Nährstandes und der Polizei auf dem Lande übertragen. Die Unterordnung unter seine Vorgesetzten, die Einhaltung der Etikette und die Anpassung an das Leben in der Stadt machten ihm Beschwerden. Nach schwerer Krankheit kehrte er im April 1777 nach Wandsbeck zurück und wirkte als freier Schriftsteller.

Gedicht von Mladen Kosar aus Wien:

Deine Väter waren eifrige Pastoren,
Du jedoch von dichterischer Art;
statt der Predigt schufst Du Horen,
fürs Ermahnen warst Du viel zu zart.

Geschwister entschliefen Dir zu früh,
den Tod lerntest Du so bälde kennen;
Leben schritt mit Dir als große Müh,
musstest Dich zu täglich Joch bekennen.

Junge Braut Dir brachte Umschwung bei
und Kinder reichlich ohne Maßen;
zwölf Gottesjünger, all beinander sei,
doch mussten Drei vor Dir die Erde lassen.

Glück und Tränen, Freude, Schmerzen
schriebst Du in des Blutes rote Zeilen;
Besangst das Leben aus dem Herzen,
konntest damit andre Seelen heilen.

Ewig schweben Deine Reime über Sphären,
tröstend, kosend, streichelnd wehe Stirnen;
wovon Viele auch noch heute dankbar zehren
unterm Monde, unter Sonne und Gestirnen.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse der groß gewordenen Familie waren schwierig, doch Claudius war glücklich, wieder nahe der Natur zu leben. 1775 erschien der erste Band der Sämtlichen Werke des Wandsbecker Boten, dem später weitere folgten; dessen Einnahmen reichten zusammen mit den Früchten des Gartens und einer Ziege für ein sparsames Leben und dafür, 1781 ein Haus in Wandsbeck zu erwerben. Eine Freundin schrieb: Wovon Claudius lebt ist vielen ein Rätsel. Alle Welt bedauert ihn und er ist immer vergnügt … und hat keinen Magel. Er war alles andere als ein Asket, spielte ausgelassen mit seinen Kindern, feierte ausgiebig viele Feste und war bis ans Lebensende in inniger Liebe seiner Frau verbunden. Er bestaunte den Mondschein, bewunderte die Obstbäume und Blumen im Garten, hängte beim Blick in den Sternenhimmel seinen Gedanken nach und war so ganz Romantiker. Ab 1785 gewährte der dänische Kronprinz Claudius eine bescheidene regelmäßige Zuwendung, ab 1788 erhielt er eine feste Anstellung als Bankrevisor, die gut bezahlt war, aber fast keinen Arbeitsaufwand erforderte.

Grundlage des Denkens und Schaffens von Matthias Claudius war ein weltoffenes Christentum, das er in seinen Schriften den Menschen vermitteln wollte; die Bibel war ihm selbstverständliche Grundlage seines Glaubens und Anleitung zum Leben. Dem rationalistischen Zeitgeist der Spätaufklärung stand er kritisch gegenüber, aber trotz seiner mystischen Neigungen - er hatte Werke des Erzbischofs von Cambrai, François Fénelon, ins Deutsche übersetzt - wies er auch deutlich auf die Grenzen philosophischer und frommer Spekulation hin. Glaube habe sich im Alltag zu bewähren, gegen Spekulationen einerseits und gegen reine Vernunft andererseits helfe Gottes Offenbarung. Dabei war er ein früher Vertreter einer Ökumene der Konfessionen; als ein Freund zum Katholizismus konvertierte und deshalb heftig angegriffen wurde, verteidigte Claudius ihn: Wir haben Einen Herrn Christus. Im theologischen Ringen gelte nicht Rechthaberei, sondern demütiges und hörbereites Suchen nach der Wahrheit. Immer wieder beschäftigte Claudius sich mit dem Tod, den er Freund Hain nannte; ihn gelte es als zum Leben gehörig zu bejahen und nicht zu verdrängen, sondern im Vertrauen auf Gott anzunehmen.

Das Evangelische Gesangbuch enthält von Matthias Claudius das 1779 entstandene, zum wohl beliebtesten deutschen Volkslied gewordene Der Mond ist aufgegangen (EG 482) sowie das bekannte Lied Wir pflügen und wir streuen (EG 508). An der Stelle des von Claudius erworbenen ehemaligen Hauses in Hamburg-Wandsbek erinnert ein Schild an ihn.

Spannend geschrieben und tiefe Einblicke in eine der prägenden Perioden der Geistesgeschichte gebend ist das schöne Buch von Reiner Strunk: (Link mit Vergütung) Matthias Claudius - Der Wandsbecker Bote.

Beim Projekt Gutenberg gibt es online zu lesen:
sämtliche Werke des Wandsbecker Boten
Briefe an Andres
Gedichte
Lyrik
die Predigt eines Laienbruders zu Neujahr 1814.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Im ehemaligen Collegium Jenense, aus dem die Universität Jena wuchs, gibt es eine kleine Ausstellung zu deren Geschichte, der Eintritt ist frei. (2023)



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 21.05.2026

Quellen:

• Matthias Hilbert: Frommer (Über-)Lebenskünstler. Deutsches Pfarrerblatt 1/2015
• https://www.claudius-gesellschaft.de/zur-gesellschaft - abgerufen am 29.07.2024

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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