Ökumenisches Heiligenlexikon

Eugyppius

auch: Eugippius

1 Gedenktag katholisch: 15. Januar

Name bedeutet: der gut Geschminkte (griech. - latein.)

Priester, Abt in Neapel
* um 460 in Africa proconsularis, heute Tunesien und der Norden von Libyen
um 535 (?) im Castrum Lucullanum, heute das Castel dell' Ovo in Neapel in Italien


Eugyppius war Mönch und Priester in Rom. Er begleitete Severin bei dessen Missionsreise in Noricum entlang der Donau. 1 Nach dessen Tod gehörte er zu den Menschen, die sich unter Leitung von Lucillus vor den eindringenden Rugiern in Sicherheit brachten und Severins Gebeine mitnahmen. Sie kamen auf das kaiserliche Privatgut Castrum Lucullanum - dessen Reste noch an der westlichen Meerseite des Castel dell' Ovo auf der Insel Megaride vor Neapel zu sehen sind - und gründeten dort ein Kloster, dessen dritter Abt Eugyppius wurde, der auch die Regel des Severinordens verfasste.

Castel dell' Ovo vor Neapel
Castel dell' Ovo vor Neapel

511 schrieb Eugyppius an den römischer Diakon == Paschasius mit der Bitte, er möge Severins Lebensgeschichte verfassen; dieser antwortete, das könne Eugyppius als Augenzeuge besser, woraufhin der das Wirken und die Wunder des Glaubensboten aufschrieb. Außerdem verfasste er eine 1000-seitige Anthologie der Schriften von Augustinus von Hippo und andere Lehrschriften. Freundschaft verband ihn mit Fulgentius von Ruspe und Dionysius „Exiguus” sowie einer gewissen Proba, die wohl die Tochter von Papst Symmachus war.

1 Viele Forscher gehen davon aus, dasss Eugyppius Severin nicht mehr persönlich kennenlernte, sondern erst nach 482 zu dessen Klostergemeinschaft in Mautern bei Krems stieß.


Worte des Heiligen

Eugyppius lässt Severin kurz vor seinem Tod eine letzte Ansprache an seine Mitbrüder halten, die aber gemäß den Gepflogenheiten der antiken Geschichtsschreibung vor allem die Spiritualität des Verfassers der Vita zum Ausdruck bringt:
Am 5. Januar [nach 533 n. Chr.] begannen [bei Severin] leichte Seitenschmerzen; diese dauerten drei Tage an, um Mitternacht ließ er seine Brüder anwesend sein, er unterrichtete sie über seinen körperlichen Zustand und stärkte sie mit väterlichen Anweisungen, indem er sie mit dringlichen und wunderbaren Worte etwa so ansprach: Liebe Brüder in Jesus „Christus” von Nazaret, ihr wisst, dass der selige Jakob, als der Tod nahe war, seine Söhne versammelte und jeden einzelnen von ihnen auf prophetische Weise segnete und ihnen die Geheimnisse der Zukunft enthüllte. Wir aber sind schwach und lau und können eine solche Frömmigkeit nicht vorweisen und können mit unseren schwachen Kräften einen solchen Anspruch nicht erheben.
Doch eines, das sich mit der Demut verträgt, will ich nicht verschweigen: Ich verweise euch auf das Vorbild der Vorfahren: Schaut ihren Lebenswandel an und ahmt ihren Glauben nach: denn Abraham wurde vom Herrn berufen, in das Land zu gehen, das er in Besitz nehmen solle; er gehorchte im Glauben und zog aus, ohne zu wissen, wohin er gelangen würde. Ahmt also den Glauben dieses seligen Patriarchen nach, ahmt seine Heiligkeit nach; verachtet die irdische Heimat, sucht immer die himmlische. Ich aber vertraue auf den Herrn, dass mir euretwegen ewiger Gewinn zuteil wird. Ich sehe nämlich, dass ihr meine Freude vermehrt habt durch euren geistlichen Eifer, nämlich Gerechtigkeit zu lieben, die Bande der brüderlichen Liebe zu schätzen, euch um die Keuschheit zu mühen, den Grundsatz der Demut zu wahren; dies lobe ich zuversichtlich nach menschlichem Ermessen und billige es. Aber betet, dass, was menschlicher Sichtweise entspricht, auch durch ewiges Urteil bestätigt wird; denn es kommt nicht darauf an, wie der Mensch, sondern wie Gott es sieht. Dieser prüft ja, wie das Wort Gottes sagt, alle Herzen und kommt allen inneren Gedanken zuvor. Bittet also beständig darum, dass der Herr die Gedanken eures Herzens erleuchte und, wie der selige Eliseus betete, öffne, damit ihr erkennen könnt, welche Hilfen uns von Seiten der Heiligen zur Verfügung stehen, welche Hilfen den Gläubigen gewährt werden; denn unser Gott ist denen, die ihn anflehen, nahe. Mögen die Kämpfenden nie aufhören zu beten; mögen sie unverdrossen Buße tun, die sich nicht schämten, eine schlimme Tat zu begehen; mögen sie unverdrossen über Sünder trauern; denn durch das Vergießen eurer Tränen dürfte der Verstoß gegen die göttliche Gerechtigkeit Versöhnung erfahren, da Gott einen zerknirschten Geist als [wohlgefälliges] Opfer für sich bezeichnete. Seien wir also im Herzen demütig, im Geiste ruhig, vermeiden wir alle Verfehlungen, seien wir stets der göttlichen Gebote eingedenk, im Wissen, dass uns nicht ein demütiges Kleid und der Name Mönch, der Begriff Ordensstand, der Anschein der Frömmigkeit nützt, wenn wir in Bezug auf die Beobachtung der Gebote als unwürdig und verwerflich befunden werden. Liebe, Brüder, unser sittlicher Lebenswandel soll mit dem abgelegten Gelübde übereinstimmen: es ist ein großes Unrecht, wenn ein Weltmensch einen sündigen Lebenswandel führt, um wieviel mehr, wenn es Mönche tun, die vor den Lockungen der Welt wie vor einem schrecklichen Untier fliehend Christus allen Leidenschaften vorgezogen haben und deren Lebenswandel für einen Beweis der Tugend gehalten wird. Aber, liebe Brüder, wozu halte ich euch weiter auf mit einer langen Rede? Es verbleibt mir nur noch das letzte Wort des seligen Apostels anzuführen, das lautet: Nun empfehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der mächtig ist, euch zu bewahren und das Erbe zu geben in Heiligkeit. (Apostelgeschichte 20, 32) Ihm sei Ehre und Herrschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Quelle: Vita Severini c. 11 nr. 52. In: Patrologia Latina 62, Sp.1195 f; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn

Eugyppius' Lebensgeschichte des Severin gibt es im lateinischen Original bei den Documenta Catholica Omnia und in englischer Übersetzung beim Tertullian Project von Roger Pearse.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Das Castel dell' Ovo mit der Kirche San Salvatore ist täglich von 9 Uhr bis 18.30 Uhr - sonntags nur bis 13 Uhr - zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt ist frei. (2022)



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 18.08.2026

Quellen:
• https://en.wikipedia.org/wiki/Eugippius - abgerufen am 19.07.2023
• https://www.catholic.org/saints/saint.php?saint_id=3223 - abgerufen am 19.07.2023

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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