Ökumenisches Heiligenlexikon

Braulio von Saragossa


Braulio war ein Schüler von Isidor von Sevilla. Er wurde 631 Bischof von Saragossa. Er nahm 633 am 4., 636 am 5. und 638 am 6.Konzil von Toledo teil und pflegte enge Beziehungen zu Westgotenkönig Chindaswinth und dessen Sohn und Mitregent Rekkeswinth.

Braulio wird in der Marienkirche in Saragossa verehrt.

Worte des Heiligen

Braulio schreibt nach dem Tod eines Freundes einen Trostbrief an die trauernden Hinterbliebenen Hojo und Eutrocia:
Die Hoffnung aller Glaubenden, Christus, nennt die, die aus der Welt scheiden, Schlafende, nicht Tote, sagt er doch: Unser Freund Lazarus schläft. Aber auch der heilige Apostel will nicht, dass wir über die Schlafenden trauern, und zwar deswegen, weil wir daran glauben können, dass alle, die an Christus glauben, nach Aussage des Evangeliums nicht auf ewig sterben werden; im Glauben wissen wir, dass weder jener noch wir sterben werden. Denn der Herr selbst wird auf Befehl und auf das Wort des Erzengels hin und beim Posaunenschall Gottes vom Himmel herabsteigen und die Toten, die in ihm sind, werden auferstehen. Die Hoffnung auf die Auferstehung also soll uns beleben, weil wir die, sie wir hier verlieren, dort wiedersehen werden; so bedeutsam ist es, in ihm fest daran zu glauben, indem wir nämlich den Geboten dessen gehorchen, bei dem die höchste Macht ist, leichter Tote zu erwecken als wir haben, Schlafende zu wecken.
Sieh, das sagen wir und doch brechen wir durch irgendein Gefühl wieder in Tränen aus und so überwindet das Gefühl des Vermissens den gläubigen Sinn. Wehe, bedauernswert ist das menschliche Los und ohne Christus ist alles leer und eitel, was wir erleben. Tod, der du die Verbundenen trennst und die in Freundschaft Verbundenen hart und grausam auseinanderbringst. Aber schon sind deine Kräfte gebrochen, schon ist dein ruchloses Joch zerstört von jenem, der dir durch Hosea streng drohte: O Tod, ich werde dein Tod sein. [13, 14] Daher können wir mit dem Apostel spotten: Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? [1. Korintherbrief 15, 55] Er, der dich besiegt hat, hat uns erlöst, er, der seine geliebte Seele in die Hände ruchloser Menschen gegeben hat, um sich aus den ruchlosen Menschen Geliebte zu schaffen.
Ausführlich und zahlreich ist es, was zu allgemeinem Trost aus den göttlichen Schriften angeführt werden kann. Aber für uns soll die Hoffnung auf Auferstehung und der Blick unserer Augen auf unseren ruhmreichen Erlöser genügen; in ihm glauben wir schon auferstanden zu sein, sagt doch der Apostel: Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, glauben wir, dass wir auch schon zusammen mit ihm leben. [Römerbrief [6, 8] Daher bitte ich euch, dass ihr euch selbst als Christinnen, als Weise, als Starke Trost spendet und dass ihr nicht zulasst, dass eure [durch den Tod] verwaisten Schwestern in Trauer zugrunde gehen. Denn für einen Weisen genügt eine Trauer an sieben Tagen in Entsprechung zur gegenwärtigen Welt, die täglich in diesem Rhythmus dahinläuft.
Deshalb tröstet euch im Herrn und in der Allmacht seiner Kraft, in ihm, der sowohl die Waisen wie die Witwen aufnimmt und alle mit seiner Gnade lenkt, der dem Kleinen und der Witwe Recht verschafft, der den Demütigen und Armen rechtfertigt, damit ihr nicht den Eindruck erweckt, auf einen Menschen und nicht auf den Herrn vertraut zu haben.
Ich weiß ja, dass euch dabei die Erinnerung daran, was er für euch bedeutet hat und was ihr mit ihm verloren habt, quält: die eine hat nämlich ihren Nachwuchs, die andere ihren Gatten verloren, aber auch wir haben einen Freund verloren. Aber was wir auch immer tun und machen: Alles Fleisch ist Heu und aller Ruhm der Welt wie eine verwelkte Blume! Wenn dies ist der Wille unseres Schöpfers ist, weshalb der Apostel sagt: aufgegangen ist die Sonne mit ihrer Hitze und hat sie das Heu getrocknet und seine Blüte ist vergangen [Jakobusbrief 1, 11], dann soll uns sein Wille klar sein, dann ist es Unrecht, ihn abzulehnen und frevelhaft, ihn nicht zu umfangen; denn ohne Zweifel dauert unveränderlich und fest, nicht was uns, sondern was ihm gefällt. Wir sind ja nicht unser eigenes Eigentum, sondern Eigentum dessen, der uns erlöst hat; in seinem Willen soll unser Wille stets verankert sin, Darum sagen wir auch im Gebet: Dein Wille geschehe! Deshalb sollen wir mit Hiob beim Begräbnis sagen: Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen! [1, 21]

Quelle: Brief 19, an Hojo und Eutrocia. In: Patrologia Latina80, Sp. 665 f; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn

Catholic Encyclopedia

Schriften von Braulio und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 31.08.2026

Quellen:
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994

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